German poem
Zweyhundert und drittes Sonett: [O müdes, liebes Herz, sieh' jene Höhen!]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
O müdes, liebes Herz, sieh' jene Höhen! Da ließ ich gestern die, so, uns in Treuen Ein Weilchen hold, darob empfand ein Reuen, Nun unserm Aug' entlocket ganze Se'en. Kehr du dahin; gern will allein ich stehen; Sieh', ob's noch Zeit, die Schmerzen zu zerstreuen, Die bis anjetzt nur stärker sich erneuen, Prophet du und Genosse meiner Wehen! – »O du, in Selbstvergessenheit befangen, Sprechend, als wär' dein Herz dir noch zur Seiten, Armer Verblendeter in eitlem Sinnen! Denn als von deinem theuersten Verlangen Du dannen zogst, mocht' es dich nicht begleiten, Und barg sich tief in schönen Augen drinnen.«
More by Francesco Petrarca
- Zweyhundert und achtzehntes Sonett: [Wonach ich seufz' und streb', auf schönen Wangen]
- Zweyhundert und achtzigstes Sonett: [Nie thränlos wird mein Blick, nie ungerühret]
- Zweyhundert und dreyzehntes Sonett: [Ich wein' und sing', von Zweifeln bang umrungen]
- Zweyhundert und dreyßigstes Sonett: [Daß Leben flieht und kann nicht Ruhe finden]
- Zweyhundert und eilftes Sonett: [Sonst pflegt' im Traum mir fernher Trost zu reichen]
- Zweyhundert und erstes Sonett: [Zu Amor mußt' und muß ich jetzt noch flehen]
- Zweyhundert und fünftes Sonett: [Schlimmes bedrängt mich, Schlimmeres ich sehe]
- Zweyhundert und fünfzehntes Sonett: [Ich lausch' und kann doch Kunde nicht erlangen]