German poem
Zweyhundert und erstes Sonett: [Zu Amor mußt' und muß ich jetzt noch flehen]
by Francesco Petrarca (1304–1374)
Zu Amor mußt' und muß ich jetzt noch flehen, Mir eure Gnade wieder zu gewinnen, Süß Leiden, herbe Lust! wenn treues Minnen Mich abwärts zog von graden Pfades Höhen. Nicht läugn' ich's, Herrinn, könnt' auch nicht geschehen, Daß die Vernunft, so alle Guten inne Zügelt, der Lust erliegt, die oft von hinnen Mich führt, wohin mich's treibt, ihr nach zu gehen. Ihr mit dem Herzen, daß der Himmel gnädig Mit hellem Geist und hoher Tugend kläret, Wie je von güt'gem Stern herabgeglommen, Mitleidig müßt ihr sprechen, Zornes ledig: »Was kann er sonst? Mein Antlitz ihn verzehret; Begieriger, ich schön. – Kann's anders kommen?«
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