German poem
Nun ist auch erloschen der letzte Schein
by Franz von Dingelstedt (1814–1881)
Nun ist auch erloschen der letzte Schein Im Kämmerlein des Poeten, Und lockerer Vögel Nachtverein Kommt stolpernd heimgetreten.
Es träufelt leiser Schnee vom Dach, Die Fahne kreischt am Turme, Die Laternen schwanken und glimmen schwach Und schaukeln sich lustig im Sturme.
Die Häuser stehen schwarz und still, Die Kirchen leer und die Schenken, Nun mag eine Seele wie sie will Gehen und träumen und denken.
Es blinzt kein Auge scheel und schief, Kein Lästermaul reißt sich offen, Nun mag ein Herz, das am Tage schlief, Lieben und bangen und hoffen.
Du traute Nacht, der Bösen Feind Und aller Guten Segen, Sie sagen, Du seist keines Menschen Freund, – Wie lieb' ich dich, Nacht, deswegen!
More by Franz von Dingelstedt
- Mutter und Sohn
- Nach Mekka zieht der Araber auf stolperndem Kamele
- Nacht war's, im Wagen schnarchten die Genossen
- Noch einen Strahl, eh' in dem Wogenbette
- Nun sei geleert die bittre Abschieds-Schale
- O hätte Deiner Seele erstes Wählen
- O Meer, o heil'ges Meer! Nach deiner Frische
- O wunderreiche Stadt der Neuhellenen