Versos German Franz Werfel Die heilige Elisabeth

German poem

Die heilige Elisabeth

by (1890–1945)

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für Gertrud Spirk

Wie sie geht Die Schwester der fünften Stund und der Lerchen, Unter dem noch versagenden Himmel, Dem atmenden Osten voraus! Über Stufen Steigend nieder Am Klirren vorbei des frühen Frühlings . . .

Aber es wehen noch, es fliegen Die wahrhaft gläubigen Träumer Durch Träume auf schlagenden Fittichen, Über den unzähligen Morgen, Stürzen sich in die Meere, Brust und Haar voll Auferstehungswind.

Ihre Füße lächeln Über die Steine nieder. Doch in den harten Gebeizten Händen Hält sie, die Dienende, Den gedeckten Korb.

Nun drängen schon Hunde und räudige Krüppel, Krähende Tolle Sich an das Jenseits ihres Knies. Bettler mit Näpfen Heben sich auf, Gestreifte Kranke, Lampe in Händen, Hustende Kinder, Betrunkene Greise, Huren, Gelichter, sterbende Sünder, Wanken geschlossenen Auges ihr nach.

Schon heult die Stadt auf Und ächzt in ihren Morgen ein. Durch den Nebel der Kaserne Bricht die entsetzliche Trompete. In den Asylen krächzt Der Greis, gewälzt von der Bettstatt. Flößerruf! Die schweren unseligen Pferde Neigen in Höfen ihr Haupt.

Sie geht noch, Eh sie verfließt, Eh ihr Aufwärtslächeln Sich einmischt in die Antwort des Himmels, Sie geht noch die Magd, Sie weht noch die hohe Deutsche . . . O Dämmerung ihres Haars, O Schritt, o Blick, Wie sie geht, die Schwester der fünften Stunde!