Versos German Franz Werfel Die Witwe am Bette ihres Sohnes

German poem

Die Witwe am Bette ihres Sohnes

by (1890–1945)

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Mit meinem verflackernden Lichte Besuche ich, Kind, Deinen Traum. Im Schlaf erstaunt Dein Gesichte, Doch faltet Dein Atem sich kaum.

Daß Du mich gestern verstießest, Hat nimmer Dich bitter gemacht. Daß Du mich alleine ließest Die ängstliche Mitternacht.

Und doch. Ich will Dich bewegen Zu Leben und nächtlichem Mut. Dein mächtiges Treiben und Regen Durchläuft meinen Schatten mit Blut.

O Sohn! Dein Zechen und Speisen Nährt Deine Mutter, ich weiß. Dein Lärmen und Becherkreisen Bewegt meinen Lebenskreis.

Und wenn ich sitze und sticke, Dies Leben ist in Dich entrückt, Aus meinem vergehenden Blicke In Deine Augen gezückt.

Wie ich Dich bebend getragen Im heilig erkannten Schoß, Du wuchsest an bildenden Tagen Und schmerztest und wurdest groß.

Und wie Du aus mir gemündet, In Himmel und Welt und Haus, Und wie Du in mir Dich entzündet, So lösche ich in Dir aus.

Mein Leben ist ein Sichergießen In Dein gerundetes Licht, Im leidenden Überfließen Erfüll ich die weltliche Pflicht.

Bald bin ich nichts als Dein Lachen Nichts als Deines Mundes Gebot. Laß mich Deinen Schlaf bewachen, Mein Kind, mein Dasein, mein Tod.