German poem
Das Mädchen vom See
by Friederike Kempner (1828–1904)
Es toben die Wellen des Meeres, Sie heben ein Weib in die Höh', Wer bist Du, lichtes Bildniß, Bist Du das Mädchen vom See? Ich bin einstmals versunken Im tiefen Meeresschlund, Doch wenn die Sonne goldig Bestrahlt den tiefen Grund, Dann steig' ich in die Höh': Denn mir gehört die See.
Des Abends letztes Gold, Es spiegelt sich im Rhein, Still kniet das Mägdelein Am Ufer, wunderhold!
Ihr Haar, so licht wie Gold, Ihr Aug' so himmelsrein, Was kniest Du so allein, Komm Maid, das Wetter grollt!—
Still winkt die Jungfrau mir: »Ein Opfer ruhet hier, Auf einem Grab' sind wir;«
Lieblosigkeit ist Mord— Entfliehe diesem Ort', Doch sprich ein segnend Wort!