Versos German Friederike Kempner Das Mütterlein

German poem

Das Mütterlein

by (1828–1904)

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Was siehst Du, Kind, im Mondenschein? Ein Mütterlein am Wegestein, Viel Tausend Falten auf Stirn und Wang'! Ihr scheinet, ach, so weh, so bang! Viel Tausend Zähren sie leise verschluckt, Das matte Haupt zur Erde gebuckt.

O, weine nicht, armes Mütterlein, Es blinkt so hell der Mondenschein! Die gold'nen Aehren auf Berg und Thal, Sie bücken und grüßen Dich allzumal! Und bis auf das kleine Goldkäferlein, Kann Alles nicht schöner und prächtiger sein.

Wohl blinket so silbern der Mondenschein, Doch düster und eng ist mein Kämmerlein, Für mich wächst nichts auf dem grünen Feld, Dem meine Hände den Acker bestellt! Ach freilich konnt' es nicht anders sein, So seufzet das arme Mütterlein.

Was sieh'st Du, Kind, im Mondenschein? Ich seh' die grünen Hügelreih'n, Die goldnen Aehren auf Berg und Thal, Sie grüßen und laden die Alte zum Mahl! Die Stirne in Händen sie mächtig sinnt, Und Thräne auf Thräne zur Erde rinnt.