Versos German Friederike Kempner Der Thierbändiger

German poem

Der Thierbändiger

by (1828–1904)

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Des Thierbändigers Bude ist drückend voll, Die Menge lauscht lautlos andächtig schier, Da tritt zornig herein das Pantherthier, Und stattlich der Löwe und würdevoll, Und mit grausigen Tönen dicht hinterdrein Zwei schwarze Hyänen hinein in die Reih'n.

Des Bändigers Tochter von hoher Figur, Von lieblich rundem, rosigem Gesicht Von glänzend hellbraunem Augenlicht, Das schwarze Köpfchen in Mannesfrisur, Betritt grüßend den Kreis, im Miederchen nett, Um schneeige Schultern und lächelt kokett.

Johanna, gewappnet mit festem Blick, Schwingt behend' sich hinauf auf den Leu, Mit sanftem Muth und mit selt'ner Treu Erträgt sie das königliche Genick, Stolz kreuzt sie die Arme und lächelt dabei Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

Die Jungfrau steigt ab und mit Heldenmuth Fährt in des Panthers Rachen ihr Arm, Drinn braust's gewaltig wie Bienenschwarm Und wilder tobt es in Heißhungers Gluth, Sie reicht ihm das Becken mit Blut gefüllt Und gierig, doch langsam den Durst er nun stillt.

Inzwischen sieht man die Königin der Wuth Gefräßig, schnaubend, spähen ringsum, Das Mädchen bieget den Nacken krumm, Und hinten hinauf steigt die wilde Brut: Den Mörder am Halse, sie lächelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

Die zweite Hyäne eilt nun hinan, Die erste klettert rückwärts hinab, Johanna Beiden die Fütterung gab, Ihr strahlender Blick, er hält sie in Bann. Und dankend entflieht sie dem stürm'schen Applaus, Der Bändiger führet die Thiere hinaus.

Hierauf tritt herein das gehörnte Pferd, Das seltsam geformte, seltene Gnu Und leicht hüpft herein das Känguruh. Ein »Ach« des Staunens im Kreise man hört, Denn des Känguruh's seitwärts laufender Sprung Erregt die allgemeinste Bewunderung.

Der Bändiger führt nun auch Affen hinein, Die Thiere ledig der keuschen Scham, Die Menge es demüthigend überkam Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein— Die thörichten Knaben nur jubeln dazu, Der Bändiger benennet die Thiere im Nu.

»Ich sparte,« ruft laut er, »trotz niederm Preis, Was am meisten die Augen ergötzt, Das Allerschönste Euch auf, auf zuletzt;— Johanna, getrocknet schon ist Dein Schweiß, Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fuß lange Und hundert Pfund schwere Riesenschlange.«

Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall Hinaus ein schneeweißes junges Lamm, Ach, zaghaft das Auge in Thränen ihm schwamm, Doch vorwärts dröhnt ihm der Peitsche Geknall. Das Lämmchen, das heute zum Tode bestimmt, Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt.

Nun trägt man hinein die riesige List, Mit Kraft und Schönheit herrlich geschmückt, Und drohend und schlau sie rings um sich blickt, Und aus der Menge ertönet ein lautes Pst! Johanna daneben, sie lächelt dabei Und zeigt' ihrer Zähne hell glänzende Reih'.

Die prächtige Riesin, sie wendet sich um, Raubgierig spähend und unheilvoll, Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll, Und windet sich um das Mädchen herum. Die männliche Jungfrau, sie lächelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei.

Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier, Hält's geschickt vor ihr hin in der Hand, Die Schlange blickt glühend unverwandt Und zischend hascht sie darnach mit Begier, Da zittert das Mädchen, das Antlitz entstellt, Das Haar sich ihr sträubt, und das Lamm ihr entfällt.

Schnell will sie's erhaschen, den Kopf sie senkt, Doch im Zug sich das Unthier befand, Ein Nu, ein Schrei, das Köpfchen verschwand, Und die schöne Gestalt am Rachen hängt. Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin, Und dem starren Vater läuft's wild durch den Sinn.

Er zieht ein Terzerol, er feuert es los Rasch in den giftigen Schlund hinein, Die Tochter will er vom Fraße befrein. Und richtig er traf, denn richtig er schoß: Es wälzt sich in schwärzlichen Strömen von Blut, In schäumenden Geifer die furchtbare Brut.

Nun öffnet der Bändiger den riesigen Mund, Sein stierer Blick sprüht funkelnden Glanz, Johanna ist todt, doch sie ist ganz, Nur rund um den Hals, da ist es wie wund. Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit, Fast schien's, als thät's um die Jungfrau ihr leid.

Der Bändiger blickt scheu im Kreise herum Da dringt kein einziger Laut an sein Ohr Die Menge sich fühllos längst verlor, Und im Bretterzelt ist's entsetzlich stumm, Der Mond durch die Spalten bescheinet darin Den Thierbändiger zu Füßen der Thierbändigerin.

Ich ritt auf einem Pferde, Den grünen Wald entlang Voll Blüthen war die Erde, Ich rasch hinunter sprang.

Vor mir auf grüner Aue, Viel hundert Vögelein, So hübsche, kleine graue, Mit schwarzen Aeugelein.

Ihr singet goldene Lieder, Nach Mozart'scher Manier, Seid Ihr denn alle Brüder, Daß Ihr versammelt hier?

Die Antwort lautet leise: »Wir sind nur gleichgesinnt, Haß ist der Brüder Weise Einfältig Menschenkind.«

Sieh, es grünt an allen Hecken, Und auf allen Länderein, Und es tummeln sich die Gecken In des Frühlings Sonnenschein!

Nachtigallen singen, flöten, Lerchen steigen jubelnd auf, Doch die Frösche und die Kröten Hemmen der Begeist'rung Lauf!

Hast Du darum mich verstoßen, Weil ich Deinen Eltern fern? Schau, ein unbekannter, fremder, Aber glänzend heller Stern.

Oder hast Du mich verstoßen, Weil Entsagen Dir 'ne Lust? Ewig wird Dich Lügen strafen Deine lebenswarme Brust.

Antwort.

Es geschah aus andrem Grunde, Weil für mich ich niemals Zeit, Sieh, das Leben währt 'ne Stunde, Warte bis zur Ewigkeit.

Aus dem Dunkel bricht das Licht, Neu erstrahlet mir die Welt, Und verstoßen bin ich nicht, Gott, aus Deines Lichtes Zelt.

Welche Wonne, welches Glück, Welcher Jubel kehrt zurück! Einzig Glück wohnt nur im Licht, Gott, ich lese ein Gedicht.

Ich meint' es rechtschaffen und ehrlich, Doch zu mir selber nicht gut— Mit jeglichem Wesen viel besser— Und schrieb meine Verse mit Blut.

Ein Meer von Balsam ist die Zeit, Was hat sie Alles nicht geheilt! Die falschen und die wahren Schmerzen, Die man zu schaffen sich beeilt.