German poem
In der Schweiz
by Friederike Kempner (1828–1904)
Unter Felsen wandelst Du, Unter Träumen wirkest Du, Wandle, wirke immer zu, Doch das Herz find't keine Ruh.
Nicht die Wüste, nicht der Strand, Nicht die Küste, nicht das Land Bringen es zum Schweigen Wenn der Schmerz sein eigen.
Kennst Du nicht das Licht des Lebens, Kennst Du seine Schatten nur, Nicht des Lebens goldne Sonne, Nur des düstern Nebels Spur?
Zage nicht, die Truggestalten Schwinden hin gleich eitlem Schein, Dorten wird die Tugend leuchten, Und das Blendwerk dunkel sein!
Hoch auf der Berge Gipfel Vergeß' ich die ganze Welt, Der Selbstsucht bunte Wipfel, Die Bosheit und das Geld.
In kleiner mosiger Hütte, Da leb' ich so wohlgemuth, Voll Gottesfurcht im Herzen, Im Herzen froh und gut.
Der Morgen höret mich beten, Der Abend den Gottes Dank, Es ernten Diejenigen, die säten, Ihr ganzes Leben lang.
Es grünen die Bäume des Waldes, Es kündigt der Frühling sich an, Hinweg mit dem frostigen Winter, Der Frühling ist ein sanfter Mann!
Die langen goldnen Strahlen, Sie sind wie ein langes Haar! Die Veilchen im tiefen Grase, Sind blau wie ein Augenpaar!
Kannst Du zweifeln, kannst Du zagen? Blick' nach jenem »großen Wagen,« Wovon jeder Himmelszoll Von Myriaden Welten voll.
Myriaden Welten, Sonnen Ewigkeiten, ew'ge Wonnen, Heilge Gottheit, höre mich, Tief im Staube preis ich Dich!