German poem
Innere Stimme
by Friederike Kempner (1828–1904)
Der sonnige Morgen, der bläuliche Teich, Die lock'gen bethaueten Reben, Sie spiegeln mir wieder, an Reizen so reich, An Wundern, das herrliche Leben.
Den Gott im Herzen, die eherne Macht, So wandle ich voll Hoffnung auf Erden, Es spricht in mir laut, die Allmacht sie wacht, Die Hoffnungen werden Dir werden!
Nur allein kann ich erstarken, Nur allein sprießt mir die Kraft, Tret' ich in des Kampfes Marken, Mit des Muthes Eigenschaft.
Sag' ich los mich jenem Jammer, Jenem tiefen Seelenweh— Meine Lenden gürt' ich strammer Und gepanzert fest ich steh!
Fest wie eine Memnonsäule Unter mir den Staub der Welt,— Ob mein Blick auch drauf verweile— 's ist der Blick von einem Held.
Fest wie eine Memnonsäule, Schwarzer Marmor ist mein Kleid, Doch nicht müßig ich verweile, In der Wüsten Einsamkeit.
Pflegend nicht wie jener König Von Aegypten feiger Ruh', Der ist gar nichts oder wenig, Der dem Bösen siehet zu.
In die Enge, ins Gedränge Stürz' ich mich mit lautem Klang, Singe vor der ganzen Menge Ew'ger Wahrheit großen Sang.
Willst Du nach den Sternen fragen, Werden sie Dir Antwort sagen? Schönheit freilich ist es nicht, Was nur aus dem Staube spricht;
Schön ist nur das Große, Reine, Meer und Feuer, Sonnenschein,— Schön ist auch Vergißmeinnicht, Und ein treues Augenlicht!
Alles Gute, Freie, Biedre! Aber alles andre Niedre, Häßlich, scheußlich, ekel ist: Duftig nimmer ist der Mist.—