German poem
Friedrich Rückert zum 16. Mai
by Friedrich Hofmann (1813–1888)
Mich zieht ein Blick, ein trauter, Den ich im Geiste schau’, Zum Garten an der Lauter In meiner Heimathau. Da ward zu allen Stunden Mir Geist und Herz beglückt: Da sei ein Kranz gewunden, Da sei ein Haupt geschmückt!
Nur nieder will ich legen Den Kranz am Blumenzaun, Auf den verschlung’nen Wegen Mich um im Garten schau’n, Zum Fenster will ich schleichen, Nur einen Blick hinein, Das soll mein einzig Eigen Vom Dichterfeste sein.
Doch zu der stillen Feier Drängt sich ein Jubelklang Für Deiner ehrnen Leier Geharnischten Gesang: Die Zeiten kommen wieder, Wo einst auf wilder Spur Das Klirren Deiner Lieder In alle Herzen fuhr.
So sei es Dir zum Lohne Verliehn für jene Zeit, Der Du die Blüthenkrone Der Jugendkraft geweiht, Daß es Dein letztes Dichten, Dein letztes Singen sei: „Es kam der Herr, zu richten, Und siehe, wir sind frei!“