German poem
Es ist nicht gut, allein zu sein
by Friedrich Hofmann (1813–1888)
Es ist nicht gut, allein zu sein. Auf welchen Pfaden man auch wand’re, Der Augenblick stellt doch sich ein, Wo eine Hand wohl braucht die and’re. Ob Lebenspfad’ ob Wandelgänge, Ob hoch im Fels, ob tief im Hain, Es thut nicht gut so auf die Länge, Es ist nicht gut, allein zu sein.
Auf eb’nem Weg mit jungem Muth Ist’s leicht: „Selbst ist das Weib!“ zu sagen. Doch gilt’s, durch Berg- und Schicksalsfluth Den Sprung von Fels zu Fels zu wagen, Willkommen ist in Scherz und Harme Die treue, starke Stütze dann. Die liebe Anmuth fest im Arme Frohlockt sein Herz: „Selbst ist der Mann!“
Es giebt gar manchen Uebergang, Der ist nicht lächelnd zu beschreiten. Oft wär’ dem Einen angst und bang, Hielt’ Hand und Herz nicht fest am Zweiten. Und ist das Schwere überstanden, Wie stimmen da so froh mit ein Die Zwei, die sich zusammen fanden: Es ist nicht gut, allein zu sein.