German poem
Die fromme Beppa
by Friedrich Nietzsche (1844–1900)
So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt’s sich schon, fromm zu sein. Man weiss, Gott liebt die Weibchen, Die hübschen obendrein. Er wird’s dem armen Mönchlein Gewisslich gern verzeih’n, Dass er, gleich manchem Mönchlein, So gern will bei mir sein.
Kein grauer Kirchenvater! Nein, jung noch und oft roth, Oft trotz dem grausten Kater Voll Eifersucht und Noth. Ich liebe nicht die Greise, Er liebt die Alten nicht: Wie wunderlich und weise Hat Gott dies eingericht!
Die Kirche weiss zu leben, Sie prüft Herz und Gesicht. Stets will sie mir vergeben, – Ja, wer vergiebt mir nicht! Man lispelt mit dem Mündchen, Man knixt und geht hinaus, Und mit dem neuen Sündchen Löscht man das alte aus.
Gelobt sei Gott auf Erden, Der hübsche Mädchen liebt Und derlei Herzbeschwerden Sich selber gern vergiebt. So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt sich’s schon, fromm zu sein: Als altes Wackelweibchen Mag mich der Teufel frein!