German poem
Die Mutter
by Gustav Falke (1853–1916)
Es war im Garten. Fröhliche Gesellen Umgaben mich. Wir tranken. Und in hellen Plätschernden Bächen sprudelten die Worte Von jungen Lippen. Aber nah der Pforte, In einer einsamen, erhöhten Laube, Saß meine Mutter. Eine reife Traube Lag vor ihr auf dem Teller, und sie aß Und hörte nicht auf uns. Wie sie so saß, Wegbreit nur von uns und doch abgeschieden, Einsam in ihres Alters blassem Frieden, Zwang mir's den Blick magisch dahin, doch konnte Ich nicht vom Platz, den Jugend übersonnte Und laute Lust umklang. Auf einmal schwand Das alles, und es langte eine Hand, Alt, rührend welk und kühl, wie aus der Erde An meinem Bettrand auf mit Bittgebärde: Willst du mir deine Hand nicht geben? Ach, Kaum dass ich gab, und weinend wurd ich wach.