German poem
Rosentod
by Gustav Falke (1853–1916)
Was lässt mich zaudern, mir vom Rosenstrauch Des holden Kelches satte Lust zu brechen? Wirft doch vielleicht der nächste Morgenhauch Sie schon entblättert vor des Gärtners Rechen.
Die Schwestern leuchten rings in junger Glut, Der grüne Busch in seiner Mutterfreude — Mir ist's, als ob ich heiliges Lebensblut Um eine eitle Augenlust vergeude.
Im engen Glas ein kurzes Treibhausglück, Ein Leben siecht in einem toten Scherben Und sehnt sich aus der Kerkerhaft zurück, In Freiheit an der Mutter Brust zu sterben.
Sahst du ein armes Herz zum letztenmal In einem hellen Hoffnungsfrühling blühen Und dann nach herber Täuschung kurzer Qual Nur um so schneller in sich selbst verglühen?
So scheint noch einmal duft- und farbenfrisch Die Rose sich im Glase zu erneuen, Um plötzlich über deinen stillen Tisch Und dein Gedicht den blassen Tod zu streuen.