German poem
Nach deiner Lippe sehnet
by Hafis (1326–1389)
Nach deiner Lippe sehnet Das Herz sich gar so sehr,
O Herr, und deine Lippe Was gab sie ihm bisher?
Den süssen Trank der Liebe, Den Wein der Sehnsucht giesst
In's Herzensglas die Seele, Bis dass es überfliesst.
Es hat die düst're Sehnsucht Nach meines Freundes Haar
Im Netz des Missgeschickes Ihr Wohnhaus immerdar.
Um sich ein Herz zu fangen, Wirft Er mit schlauem Sinn
Ein Netz von zarten Veilchen Auf eine Rose hin.
War es am Ende schicklich, Dass ich die Frage that,
Was jener Herzensräuber Für einen Namen hat?
Setzt je zu einem Freunde Sich Jener traulich hin,
Dem Hohe oder Nied're Beschädigen den Sinn?
O des beglückten Herzens, Das morgen so wie heut
Der wonnigen Gesellschaft Des Freundes sich erfreut!
Hafis, wie hoch entzückend Ist ein gesell'ger Kreis,
Der, was zur Lust gehöret, So ganz zu bieten weiss!