German poem
So lang als Spur und Name
by Hafis (1326–1389)
So lang als Spur und Name Vom Weinhaus lebt und Wein,
So lang wird auch mein Schädel Des Wirthes Wegstaub sein.
Kömmst du zu meinem Grabe, So fleh' um Gnade dort:
Denn für die Zecher alle Wird es zum Wallfahrtsort.
Mir hängt seit ew'gen Zeiten Des Wirthes Ring im Ohr;
Ich bin wie ich gewesen: Es bleibt ganz wie zuvor.
Dein Aug' und mein's, o Frömmler, Erfüllt von Selbstvertrau'n,
Durchschaut dies Räthsel nimmer, Und wird es nie durchschau'n.
Heut trat mein trunk'ner Türke Voll Mordlust aus dem Haus:
Aus wessen Auge fliesset Nun wieder Blut heraus?
Der Ort, den deine Sohle Bezeichnet, wird hinfort
Für jeglichen Verliebten Ein wahrer Andachtsort.
Die Nacht, in der aus Sehnsucht Mein Aug' zu Grabe geht,
Bleibt's wach, bis dass der Morgen Des jüngsten Tag's ersteht.
Doch wenn Hafis beim Glücke So wenig Hilfe fand,
Kömmt der Geliebten Locke Gar bald in And'rer Hand.
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