German poem
Im Spiegelturmgemach
by Hanns von Gumppenberg (1866–1928)
Im grauen Schloß, Umschlichen vom Glasglast Der hohen Klause Hinter den Schattenriegeln, Über und unter den Spiegeln Laß uns schweigend beharren Und bis zum Grund der Schwindelgründe starren.
Sei nicht erschrocken Von den Gedankenträumen – Lasse dich locken Von den getrunknen Räumen! Ihr Stürzen ist Ragen – Laß dich tragen Und fallen Von allen zu allen!
Aber denke der Tiefe nach! Du mußt es spüren, Wie sie dich führen Dahin, wo keiner dich riefe, Weil jeder schliefe – Das ist die Tiefe.
Denk’, o denke der Tiefe nach, Denk’ an die Schauerferne der Nähe – Sieh, dann erhebt sich das Spiegelgemach, Weib, und wir fliegen zur Höhe! Denn dann ist es, wie’s damals war, Als mein gesamtes Mobiliar Erst mahnend gekracht, Dann auf sich gemacht Mit mir in die Nacht, In die Höhen der Gründe, Wo ich mein Schweigen verkünde.
nach Wilhelm von Scholz