German poem
Es rede wer was weiß- und welcher reden soll
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Es rede wer was weiß/ und welcher reden soll/ Von was er reden mag/ schau ob es stehe wohl/ Obs Ort und Zeit vergönnt/ obs Ehr und Recht ihn heist/ Obs ihm die Treu erlaubt. Wer Schweigens sich befleist/ Heis sittsam/ wo er jung; wofern er alt/ gescheut; Wo er in Diensten steht/ voll Ehrerbietigkeit/ (Betrifft es eine Frau/ ein Wunder ihrer Zeit/) Bey Fürsten heist es Witz/ bey Hof-Bedienten/ Pflicht/ Wen also ziert und hilfft das kluge Schweigen nicht? Den Edlen Seelen steht vernünfftigs Schweigen an/ Weil fast kein schlechter Geist das Schwatzen lassen kan/ So rauscht durch Kiß und Sand die offt halb-trockne Bach; Der allertieffste Fluß hingegen laufft gemach. Es weist der einge Mund/ der Aug- und Ohren-Paar/ Daß Hörn und Sehen mehr als Reden nützlich war. Das Wort verräth den Mann/ auch wider sein Vermeynen/ Doch kan ein schweigend Narr zu Zeiten weise scheinen.
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