German poem
Ich rede nicht wie vor so frey
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Ich rede nicht wie vor so frey/ Mein Auge klebt der Erden an/ Und findet sich mit Furcht herbey/ Wo man dich/ Nimphe/ schauen kan; Verbrochne Seufftzer und gestohlne Blicke Sinds/ die ich dir/ mein Kind/ entgegen schicke.
Der strengen Auffsicht scharffe Wacht/ Die Neyd und Eyfer um uns stellt/ Nimmt ein iedweders Wort in acht So uns von ungefähr entfällt/ Heist unsre Unschuld stets in Sorgen stehen/ Und zwischen Dorn und Eiß behutsam gehen.
Die schlimme Welt denckt/ Ich und Du Müß ihr an Boßheit gleiche seyn/ Dringt sich mit schälem Aug herzu/ Greifft unsern keuschen Freuden ein/ Und wolte gern/ was sie nicht kan genüssen/ Auch andern ohne Schuld verboten wissen.
Zwar wehe thut der schwere Zwang/ Zu dem man uns verbinden will; Jedoch wird solcher Uberdrang Auch haben sein gestecktes Ziel. Der Tugend reines Kleid kan nichts beflecken; Die Zeit wird unser Recht der Welt entdecken.
Der beste Rath ist hier Gedult: Bleib mir beständig/ wie du bist/ Ich lebe dir in stillem hold/ So brechen wir der Feinde List. Wenn Redligkeit sich kan zun Sternen heben/ Muß der Verleumder Maul im Kothe kleben.
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