Versos German Heinrich Kämpchen Eine Fenster-Betrachtung

German poem

Eine Fenster-Betrachtung

by (1847–1912)

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Von meinem Fenster seh’ ich sie im Trott Tagtäglich hier vorüberzieh’n; laut klirrt Der schwere Bergschuh auf dem Straßenstein, Wie Hufestritt. – Das ist die Köhlerschar! – So geht den Weg zur Zeche sie, so kehrt, Nur müder, sie davon zurück nach Haus, Zur kurzen Rast – um wieder dann auf’s neu Zum Joch zu ziehen – und so fort und fort. – Ihr sagt: Gewohnheit – und – sie spüren’s nicht. Von Jugend an sind sie daran gewöhnt Die Muskeln zu gebrauchen, dafür hat Der Kopf auch Ruhe, braucht mit Denken nicht Sich zu beschweren, wenn die Hand nur schafft. – Ihr sprecht es aus – gewiß, so wär’s euch recht! Nur schuften soll der Knapp’, die Denkarbeit Wollt ihr besorgen schon – das Kohlenhau’n, Das Felsensprengen und die Wetternot Im tiefen Schacht für ihn – jedoch die Last Der Dividenden wollt ihr großmutsvoll Auf eure Schultern nehmen und auch noch Des „Denkens Schwere“, die dazu gehört. – Das wär’ ein Pakt! Nur schade drum, daß wir Es nicht so wollen und die Harmonie (Wenn’s eine gibt bei Arbeit und Nichtstun) Zum Mißklang wird in solchem Teilkonzert. – Nein, liebe Herren, nicht so soll es sein! Auch uns hat die Natur mit Kopf und Hirn Bedacht wie euch, und auch das Denken ist Nicht ganz so fremd uns, wie wir’s schon gezeigt Zu vielen Malen euch, vergeßt es nicht. – Einlullen läßt der Bergmann sich nicht mehr – Er will sein Recht, er kämpft dafür und wird Erhalten es, ob über kurz ob lang. –