Versos German Heinrich Kämpchen Köhlerknab’

German poem

Köhlerknab’

by (1847–1912)

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Bin nur ein Köhlerknab’, Ohne jedwede Hab’, Grabe mir selbst das Grab In Kluft und Stein. Unten im Kohlenschacht, Tief in der Erdennacht, Wo das Verderben wacht, Haus’ ich allein. –

Bin von der Sonne fern, Schau’ weder Mond noch Stern, Wär’ auch im Lichte gern, Wie ihr am Tag. – Muß wie der Maulwurf, dumm, Wühlen im Grund herum, Habe nur um und um Mühe und Plag’. –

Mir fehlt der Himmel blau, Mir fehlt die grüne Au, Fehlet der Labetau, Blume und Duft. – Stille des Lebens Not Oft nur mit trock’nem Brot, Ringe stets mit dem Tod Hier in der Gruft. –

Lauscht ihr der Nachtigall, Hör’ ich den Widerhall Von der Geschosse Knall In meiner Schicht; – Krachend stürzt ein der Gang, Wenn er mich nicht verschlang (Bin ja nicht sterbensbang), Viel fehlte nicht. –

Für euch der Sonnentag, Lustgang in Feld und Hag, Jubel und Zechgelag’, Wie’s euch gefällt. – Für mich die harte Fron, Für mich den Hungerlohn, Und dazu Spott und Hohn Oft noch gesellt. –

Für euch das Gold, die Lust (Habt nie von Not gewußt), Siechtum und wunde Brust Für mich allein. – Bin nur ein Köhlerknab’, Ohne jedwede Hab’, Grabe mir selbst das Grab In Kluft und Stein. –