German poem
Schmerz im Mai
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Wieder in den Maientagen Hör’ ich Nachtigallen schlagen, Und ich lausch’ dem süßen Klang Sehnsuchtsvoll und schwermutsbang’. –
Seh’ ich doch die Jugendzeiten Wieder still vorübergleiten, Mit der Lust in Wald und Hag, Nachtigall, bei deinem Schlag. –
Alle Träume kehren wieder, Alle längst verklung’nen Lieder Einen sich mit deinem Schall, Philomele, Nachtigall. –
Aus den Augen fühl’ ich’s tropfen, Meine Pulse hör’ ich klopfen, Und die Seele weilet fern Bei der Jugend – ach so gern. –
Doch die Jugend kehrt nicht wieder Und verschollen sind die Lieder, Mit dem wundersüßen Klang, Die ich einst als Knabe sang. –
Sehnsucht kann mich nur verleiten, Meine Arme auszubreiten. – Doch umsonst – bei deinem Schall, Philomele, Nachtigall. –