German poem
Starensang
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Was plauderst du, mein lieber Star, Vom Birnbaumast denn immerdar? – Du wiegst den Kopf, dein Schnabel knackt, Und mit den Flügeln schlägst du Takt. – Erzählst du mir vom Sommerland, Vom Dattelbaum, vom Wüstensand? – Sahst du des Niles trübe Flut? – Hast du am Ganges ausgeruht? – Nun kann dein Plaudern ich versteh’n, Du sprichst von dem, was du geseh’n, (Die kleine Schwinge trug dich weit) Von Wanderlust und Wanderleid. – Aus Nordlands Nebeln dumpf und dicht Zog’s dich nach Südland’s Zauberlicht – Du sah’st der Palmenhaine Grün, Die Myrte und den Lotos blüh’n. – Vor deinen Augen hat gelacht Der Tropen bunte Farbenpracht, Und dennoch trieb dich wieder her Die Sehnsucht über Land und Meer. – Zum Norden, nach der Stätte traut, Wo du so froh dein Nest gebaut, Zur Heimat zog’s dich wieder hin, Vom schönen Süd, beim Lenzbeginn. – Das plauderst du, mein lieber Star, Vom Birnbaumast mir immerdar – Und wenn dein Schnabel schnarrt und knackt, Schlägst mit den Flügeln du den Takt. –