Versos German Heinrich Kämpchen Schönheit

German poem

Schönheit

by (1847–1912)

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Nach Schönheit dürstet die Seele mir Von früh’ster Jugend an, und immer noch, Deckt auch der Reif des Alters schon mein Haupt, Bin schönheitsdurstig ich und späh’ und späh’ Nach Götterbildern, wie die Sehnsucht sie Mir vor die Seele zaubert – doch umsonst! –

Umsonst! – Ein Kärrner fron’ ich in dem Joch Der groben Alltagswelt – nie wird mein Aug’ Die sonnigen Gefilde Griechenlands, Neapels Golf und den Vesuvus schau’n. –

Wo auch die Schönheit thront – mir frommt es nicht! Ob funkelnd Nordschein ihr die Stirn umstrahlt Gewitterhaft. – Ob unter Lotos sie Am heil’gen Ganges träumt – mir frommt es nicht! –

Arm, arm zu sein, bei so viel Schönheitsdurst! Erkennen, wissen, hungern und doch nie Die Sehnsucht stillen an der Göttin Brust. –

Erkennen, wissen, hungern immerfort – Und doch nie kosten von der Schönheit Frucht, Die lockt und winkt – o Qual des Tantalus!