Versos German Hermann Oelschläger Die barmherzige Schwester

German poem

Die barmherzige Schwester

by (1839–1908)

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(Mit Abbildung S. 5.)

Fremde Leiden, fremde Sorgen Treiben dich von Haus zu Haus, Und kein goldner Frühlingsmorgen Lockt dich mehr zum Licht heraus Aus der dumpfen, trüben Kammer, Wo ein Leben schmerzvoll ringt Und der allerschwerste Jammer Sich um Menschenherzen schlingt.

Mit der Röthe deiner Wangen, Ach, ist auch dein Glück verblüht, Ist die Freude hingegangen, Die an treuer Brust nur glüht. Nicht am Abend, nicht am Morgen Beut dir Liebe ihren Strauß – Fremde Leiden, fremde Sorgen Treiben dich von Haus zu Haus.

Und in stummverhalt’ner Klage Hebst das Kindlein du empor, Das an seinem ersten Tage Auch sein Bestes schon verlor. Weinst du? Darf das junge Leben, Das so warm sich an dich schmiegt, Neu um’s Herz dir Träume weben, Die du doch schon längst besiegt?

Darf der Wünsche gold’ner Reigen Dich umgaukelnd neu dir nah’n? Nein, du nennst kein Herz dir eigen, Einsam wallst du deine Bahn. Fremde Noth und Thränen borgen Lieb’ und Treue bei dir aus – Fremde Leiden, fremde Sorgen Treiben dich von Haus zu Haus.

Hermann Oelschläger.