German poem
An Herrn Hofrath von Greiner
by Johann Baptist von Alxinger (1755–1797)
Ein Liedchen würdigst du dich mir Zum Angebinde darzubringen, Ein Liedchen will ich dir Entgegensingen, So gut ich kan: Denn wohl weißt du, du edler Mann! Ein Schurke thut mehr, als er kan.
Dein Biederherz, so sanft, so groß, So gut, so deutsch, das absichtslos Für Menschheit und für Vaterland Dahin sich giebt, sey nie verkannt!
Lies immer dein verdientes Glück In unsrer Fürsten Gnadenblick: Es strahl’ auf dich von ihrem Thron Der Ehre viel, und reicher Lohn.
Doch bist du ja nicht Bürger nur, Bist Vater auch; Mama Natur Gab freundlich dir zwey Kinderchen, Gar brav, und lieblich anzusehn.
Dein Lottchen, dessen scharfer Witz Schon jetzt sich zeigt, und wie ein Blitz Durch jede schöne Kenntniß fährt, Sey dein und ihrer Mutter werth!
Hohn, Tadelsucht, Koketterie Entweih’ des Mädchens Seele nie; Ein Edler fühl’ einst Götterlust An ihrer liebewarmen Brust!
Dein Herzensjunge Xavier Geh’ bald voll Jünglingsstolz einher, Hoch, wie man einen Hirschen mahlt In seinem eignen Eichenwald!
Auf Bäum’ und Felsen klimm’ er n’auf, Durchschwimme Seen, sey nicht im Lauf, Im Waffenspiel und Ringen faul, Und tummle mächtig seinen Gaul.
Stets bleib’ er von Empfindeley Und jeder Modenarrheit frey, Sey nie der Thierbegierden Sklav, Empfinde stark, und handle brav.
Dann siehst du froh in deinem Sinn Nach diesen wackren Kindern hin, Kannst nie die Edle segnen gnug, Die sie in ihrem Schoosse trug;
Die sie mit ihren Brüsten sog, Dir und der Tugend auferzog; Für dich, und sie, bey Tag und Nacht Mit endeloser Sorge wacht,
Die Weisheit kennt, und übt, und ehrt, Mit Freyheit handelt, Menschenwerth Nach dem, was menschenwürdig ist, Und nicht nach Aussenwerken mißt,
All’ deinen Kummer redlich theilt, Des Abends dir entgegeneilt, Und dir in unsrem trauten Kreis Die Stunden wegzuscherzen weiß.
Drum lebt, die ihr es würdig seyd, In engelgleicher Einigkeit, Von Glück begleitet und von Ruhm, Ein ganzes halbes Sekulum.
Und habt ihr dann das Leben satt, Wies traun! der Edle meistens hat; So rück euch sanft zugleich der Tod Ins Himmelreich zu eurem Gott,
Und der, zu dem der Tod euch rückt, Der segnend auf euch niederblickt, Der Geber mache, würdig Paar, Buchstäblich meine Wünsche wahr!
Und wenn es eine Pflicht doch giebt, Zu lieben, wer uns ehrt und liebt: So ist, verzeiht! ich schmeichle nicht — Mich warm zu lieben eure Pflicht.