Versos German Johann Baptist von Alxinger An eine todte Geliebte

German poem

An eine todte Geliebte

by (1755–1797)

Listen in the reader

Hier, wo mein Aug’ dem späten Morgenrothe So oft entgegenweint, Hier fleh’ ich dir, erschein’ o meine Todte, Erscheine deinem Freund! Hast du vergessen diese kleine Kammer, Wo einst ich bey dir saß, Und alle Lebensmüh’ und Erdejammer An deiner Brust vergaß?

Doch ja du kömmst, zu trösten mich im Leide, Du Holde nahest dich Wie Engel schön, im weissen Todtenkleide, Und so umschwebst du mich: Versprichst mir bald, was innigst ich verlange, Ein kühles sanftes Grab, Und trocknest mir die thränennasse Wange Mit deinen Locken ab.

Doch bald versiegt ist diese Thränennässe, Mein mattes Auge bricht, Die Wange sinkt, und kalte Todtenblässe Umzieht mein Angesicht; Auch ich, wohl mir! werd’ auf der Bahre liegen Frey von des Lebens Last, Auch ich die schöne Palmenkron’ ersiegen, Die du ersieget hast.

Indessen eilt ihr bangen Lebensstunden, Von tausend Seufzern schwer, Eilt schnell dahin, dann bluten meine Wunden In Ewigkeit nicht mehr! Dann werd ich, wie die Sonn’ aus Finsternissen, In deine Arme gehn; Und Sterne drehen unter unsern Füssen, Und Menschen weinen sehn.