German poem
Mäßigung
by Johann Baptist von Alxinger (1755–1797)
Wenn dein Busen oft, voll Urkraft schwebend, Durch des Flors Verschiebung sich mir wies; Und mein Blick, an diesen Reitzen klebend, Kaum sich mehr zurücke rufen ließ. O so rief ich doch den Frevlerblick Mühsam zwar, doch rief ich ihn zurück.
Dieser Gott, so sagt’ ich tröstend mir, Der für mich die schöne Brust geründet, Der darinnen zärtliche Begier, Mir nur zu gefallen, angezündet, Dieser gute Gott, ist ers nicht werth, Daß man ihn durch Selbstverleugnung ehrt?
Wenn vor seinem Altar deine Hand Einst jungfräulich in der meinen bebet; Und zu segnen unser heilig Band, Schon sein Engel liebreich niederschwebet; Dann wird mir zur süssen Aerndtezeit Wonne werden diese Mäßigkeit.
Dann will ich den Taumelbecher leeren; Mit der Liebe Myrthen froh bekränzt, Trink’ ich dann die letzte banger Zähren, Die dir auf der röthern Wange glänzt; Jeder jetzo mir versagte Kuß Reift mir dann zu doppeltem Genuß.