Versos German Johann Baptist von Alxinger Klagelied eines unglücklichen Weibes

German poem

Klagelied eines unglücklichen Weibes

by (1755–1797)

Listen in the reader

Unterdeß in öder Kammer, Von dem Gram das Herz zernagt, Deine Gattin ihren Jammer Nur dem Kruzifixe klagt; Unterdeß zu ihren Füssen Sorgenlos dein Söhnchen spielt, Und sie bey des Kindes Küssen Doppelt all ihr Elend fühlt:

Sitzest du im Kreis der Zecher, Und, entheiligend den Wein, Trinkst du aus dem vollen Becher Deinen frühen Tod hinein. Denkst nicht, daß ich Arme weine, Nah gerücket an die Gruft; Denkst nicht, daß dich dieser Kleine Mit dem süßsten Namen ruft.

Deine vormals edle Stirne Schändet nun ein Myrtenkranz; Weh mir! eine feile Dirne Reisset dich zum Reihentanz: Und dein Aug! – dies wilde Feuer Ach, es ist der Liebe Tod! Laßt ihn, laßt ihn, Ungeheuer! Und erbarmt euch meiner Noth!

Seht! er hat in diesem Bette Meinen ersten Kuß geraubt, Und wie brünstig! o ich hätte Keinem Engel es geglaubt, Daß er je für Metzen brennen, Daß der Unmensch an das Grab Jemals die soll schleppen können, Die ihr ganzes Herz ihm gab.

Doch, was ächz’ ich, Thörin, weiter! Aechze so nur in den Wind! Du nur lächle nicht so heiter, Lächle nicht mehr, Herzenskind! Einst, weh mir! wirst du mir fluchen In dem Drange deiner Noth Und an fremden Thüren suchen Ein verschimmelt Stückchen Brod.

Denn verpraßt hat er mein Habe, Und geplünderet mein Haus, Brautgeschenke, Morgengabe, Alles lockt’ er mir heraus. Ringen muß ich denn die Hände, Nur zu dir, Unendlicher! Denn des Elends ist kein Ende, Keine Hülf’ hienieden mehr.

Laß das Herz des Kindes stocken Fest an meines noch gedrückt; Gieb, daß diese blonden Locken Bald ein Todtenkränzchen schmückt, Daß aus meinem Jammersohne Bald ein Engel Gottes wird, Der auch mich zu deinem Throne Aus dem Zährenthale führt.