Versos German Johann Baptist von Alxinger Doris auf dem Balle

German poem

Doris auf dem Balle

by (1755–1797)

Listen in the reader

Du, der nicht richterisch und kalt Sich Schönheitskenner nennt, Der ihre siegende Gewalt Aus der Erfahrung kennt:

Der du’s zu fühlen fähig bist, Sieh meine Doris an; Empfind’ es ganz, wie schön sie ist, Und weide dich daran.

Wie unterm schwarzen Domino Ihr Schneehals Wunder thut: Sanft lacht ihr Aug, und mildert so Den stolzen Federhut.

Frey läßt sie flattern ihr Gewand, Und frey ihr blondes Haar: Stampft mit dem Füßchen, beut die Hand Zum Reihentanz mir dar.

Man drängt sich, wo sie tanzt, hervor, Schließt einen Kreis um sie, Und lispelt sich entzückt ins Ohr: „O seht nur, die ists, die!“

Doch ha! nun führt der Reihentanz Zu mir sie wieder her Der blauen Augen sanfter Glanz Stralt jetzt noch göttlicher.

Sie fleugt vorbey, drückt mir die Hand, Und nicket noch zurück: Ich stehe da, nach ihr gewandt, Und fühle ganz mein Glück.

Fühl’ es, vergesse, wo ich bin, Am Boden starrt mein Fuß, So, daß die nächste Tänzerin Mich zu sich reissen muß.