Versos German Johann Christian Günther Dasz man im Lieben auf die Vergnügung sehen müsze

German poem

Dasz man im Lieben auf die Vergnügung sehen müsze

by (1695–1723)

Listen in the reader

Ich liebe nur, was mich vergnügt, Nicht was mit Golde kirrt; Mein freyes Herz wird nicht besiegt, Wenn gleich der Beuthel schwirrt. Kein goldner Strick fängt meinen Fuß, kein heller Klang mein Ohr; Die Redligkeit Geht allezeit Bey mir dem Nuzen vor.

Was hilft es, wenn das Silber blizt Und doch der Bräutgam schielt? Ein Mann, der stets beym Kasten sizt Und in dem Sacke wühlt, Theilt mit dem Mammon seine Gunst, die blos der Frau gehört; Sein Zeitvertreib Macht, daß das Weib Oft fremde Götter ehrt.

Kein Reichthum überwiegt das Weh, Kein Thaler hilft der Braut, Wenn ihr die Zwietracht in der Eh Zulezt ein Zuchthaus baut. Das Ungewitter ist nicht weit, wo gelbe Raben schreyn; Wer wollte nun So thöricht thun Und ihm zum Schaden freyn?

Bethörter Mund, ach spare doch Der Worte frechen Stolz! Dein Umgang ist mir stets ein Joch, Du selbst ein Marterholz. Dies Wörtchen bringt mir deinen Haß, der ficht mich wenig an; Wie bald stößt mir Was Beßers für, Das mich vergnügen kan!

Du aber, den des Himmels Schluß Dereinst vor mich bestimmt, Magst glauben, daß mein reiner Kuß Von keiner Geldsucht glimmt. Nimm also meinen ganzen Schaz, die reine Hand voll Blut! Ein treues Herz Ist sonder Scherz Das beste Heiratsgut.