German poem
Edgar an Psyche
by Johann Christoph Friedrich Haug (1761–1829)
Welch ein Leben, kleine Psyche, Wenn ich Nachtigallen gliche? O ich lokte dich Flötend zu willkommnen Thränen, Klagte dir in Silbertönen, Und du liebtest mich!
Welch ein Leben, fromme Psyche, Wenn ich Turteltäubchen gliche? Ich umhüpfte dich, Spielte dir im Schoos mit Freuden, Girrte schmachtend Zärtlichkeiten, Und du liebtest mich. Welch ein Leben, schöne Psyche, Wenn ich Frühlingsrosen gliche? Ich umgöse dich, Rings mit Wohlgerüchen, blühte Froh in deines Busens Mitte: Und du liebtest mich.
Welch ein Leben, sanfte Psyche, Wenn ich leisen Zephirn gliche? Ich umwehte dich, Tränke deines Athems Schwüle, Hauchte dir ins Antliz Kühle: Und du liebtest mich.
Welch ein Leben, holde Psyche, Wenn dein Edgar allen gliche? Ich umschwebe dich, Opfre Blumen alle Tage, Girre, singe, flöte, klage: Und du fliehest mich? Psyche bleib! – Warum denn Rosen Nachtigallen Täubchen kosen? Mehr o mehr kann ich! Lieben kann ich, fühlen, küssen, Heiß umarmen, Nächte süssen! – Psyche liebe mich!
Ha.