Versos German Johann Christoph Friedrich Haug Meine Spinne

German poem

Meine Spinne

by (1761–1829)

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Immer grollt der Spinnen Brut! – Einer bin ich dennoch gut Die im Winkel nistet – Nicht, weil sie zu schlauem Fang Und der Fliegen Untergang Zarte Netze rüstet.

Nein! – Warum gefällt sie mir? Wenn ich öfter am Klavier Einsam phantasire, Kreucht sie vom Versteck heraus, Als ob dieser Ohrenschmaus Sie besonders rühre.

Fahr’ ich fort, durch lautes Spiel Sie bey solchem Zartgefühl Gleichsam einzuladen, Wiegt sie in den Lüften sich Mählig näher gegen mich: Denn sie hält ihr Faden.

Endlich läßt sie mit Vertrau’n Sich auf Notenbüchern schau’n, Lauscht den süßen Tönen, Füßelt wohl den Tact dazu, Und scheint zu dem Rendez-vous Bald sich zu gewöhnen.

Lustig sing’ ich zum Klavier; (Denn ein Orpheus bin ich ihr: Täglich werd’ ich’s inne.) Nimmer widerst du dem Blick Seit der Liebe zur Musik, Meine holde Spinne!

Darum hab’ aus Dankbarkeit Ich dieß Liedchen dir geweiht, Und die Magd gebeten, Meine stille Hörerinn, Freundinn und Verehrerinn Ja nicht mir zu tödten.

Haug.