Versos German Johann Georg Fischer Drei Goethe-Lieder

German poem

Drei Goethe-Lieder

by (1816–1897)

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Wolkenloser, Erwachst du schon? Alles ist Farbe, Duft und Ton, Seit die Erde Dem Morgenroth Stirn und Wange Zum Kusse bot.

Harrest du meiner, Junge Gluth, Wo im Schimmer Die Höhe ruht? Ja, mein Hügel, Ich folge dir; Keine Blume noch Schenkst du mir;

Aber Eine, Die nenn’ ich mein: Himmlisches Mädchen, Ich denke dein. Muse, Geliebte, Wie nenn’ ich dich? Seele, Leben, Erfülle mich!

Segne nur sie, Du erstes Grün! Das ist Fülle Für alles Blüh’n; Tränke sie ganz Mit Einem Zug, Und die Erde Hat Lenz genug.

Wie duften am Raine Keim und Sproß, Draus ihm Fülle Des Wesens floß, Das er im ersten Lied ergoß!

Von Werderufen Aus jeder Kluft Wie Festgewoge Erfüllt’s die Luft, Wie Geisterstimmen Den Sonnenduft.

Selber zwischen Der Dorne Haft Hat sich treibender Bildung Kraft Aus dem Gestrüpp Emporgerafft.

Unter den Tritten Wie quillst du froh, Schwellendes Grün! Wo strömst du, wo, Athem der Erde, Und duftest so?

Bist du der Segen In Keim und Sproß, Draus ihm Fülle Des Wesens floß, Das er im ersten Lied ergoß?

Was in Liedern die Welt bewegt, Ländliche Lüfte, ihr habt’s erregt,

Sah des liebenden Jünglings Glüh’n Die Geliebte wie Frühroth blüh’n,

Wenn, in ihre Gestalt versunken, Wärmstes Leben der Gast getrunken,

Und die Pulse des Busens trafen Ihm die Stirn, wo die Genien schlafen,

Daß ihm’s rauschte von ihrem Rocken, Wie Gesänge und Ruhmesglocken.

Rosige Finger, was mögt ihr spinnen, Heldinnen oder Königinnen,

Wenn dem ahnenden jungen Blut Solch ein Starker im Arme ruht?

Denkt ja Kronen und Kränze nur Ewig ein schönes Kind der Flur,

Und in Paläste zum Fürstenweib Träumt sich in Hütten der süße Leib.

Spinne, sinne Gespinnst und Traum – Süß ist selber der Täuschung Schaum.

Wär’s auch sterbend, Du hast gesiegt, Diesen König im Arm gewiegt.

Und ihr Lüfte, verkündet nur, Daß ein seliges Kind der Flur

Unvergeßliches Schicksal spann, Als er in ihren Armen sann.