Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Adam Lux

German poem

Adam Lux

by (1784–1847)

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Adam Lux, der Deutschen Einer, Die am dürren Freiheitsbaume Sah’n die goldnen Äpfel hangen, Sah’n das Heil der Welt im Traume Hosenlos zum deutschen Rheine Kommen in der rothen Mütze, Und die zu altdeutschem Weine Sangen nach neufränk’scher Weise; – Adam Lux, freiheitsbegeistert, Zog im Einklang’ ihm verwandter Deutscher Meister, Schöner Geister, Die der Meinung sich bemeistert, Als der Mainzer Abgesandter, In Entzückung, In Berückung Sel’ger Hoffnung nach Paris.

Furchtbar Neues war zu schauen: Wen bewegt nicht furchtbar Neues? Nie in Deutschland ist geschehen, Was ein Tag dort hat gesehen. Einen König sah man morden, Nicht in Wittelsbacher Hitze, Nicht mit racherglühter Spitze Des Johannes Parricida; Nein! die in des Volkes Namen, Ihm das Menschenrecht zu schaffen, Freies Walten Zu gestalten, Frei zum Rath zusammenkamen, Sie, die Cromwellsbrittenaffen, Sie beschließen, Zu vergießen Ludwigs reines Menschenblut.

Greuel sind vorangegangen, Greuel folgen; mit Entsetzen Treibt man Spott; sich dran zu letzen, Muß man Tod auf Tod verlangen. Wie ein Blutstrom schreckt die Seine Selbst den Henker; doch das Grauen Stumpft sich täglich ab im Schauen; Tod der Unschuld ist Verklärung. Und es schrei’n Blutsäuferscharen: Laßt der Menschen Drittel sterben; Dann erst werden Wir auf Erden Euch den Himmel offenbaren, Doch nur Blut kann ihn erwerben! Und es glauben Bei den Trauben Die von Gleichheit Trunknen d’ran.

Und so lassen sich dergleichen Auch die deutschen Brüder träumen, Sehn sie auch die Henkerramme Von dem Blut’ der Besten schäumen. Adam Lux mit Jürgen Forster Sieht das Schlachten, hofft, es wende Sich doch bald zum schönern Ende Dieses Reiches Schreckensherrschaft, Und sie lassen’s sich gefallen, Wandern täglich zum Schaffotte, Oft wohl traurig, Oft wohl schaurig Von dem abgesetzten Gotte An des bösen Geistes Krallen, Der hier schaltet, Und gewaltet, In der deutschen Brust gemahnt.

Ungeheur weckt Ungeheures; Eine Jungfrau greift zum Dolche, Und der blutigste von Allen Ist von ihrer Hand gefallen. Marat, Herold wilder Mordlust, Witzbegabt, im Rath und Schriften, Was da feil war, zu vergiften, Rings im Lande Brand zu stiften: Ihn erstach Charlotte Corday. Doch man ehrt die gift’ge Leiche; Auf Verlangen Soll er prangen In dem Heldensaal der Franken, Ihm für Frankreichs Schmach zu danken. Ihm zur Sühne Muß die Kühne Sterben, eh’ man ihn begräbt.

Adam Lux wallt auch zum Richtplatz, Um der Jungfrau Tod zu schauen. Welch Erstaunen! Welch ein Zauber! Darf er seinen Augen trauen? Einer Mörderin Verruchtheit Dacht’ in ihr er zu entdecken; Doch der Schönheit Wunder wecken Den verlornen Gott im Herzen. Lautrer, edler sah er Keine. Hoheit in dem freien Blicke, In Ergebung Voll Erhebung Strahlend über das Gemeine, Gab sie Glanz dem Mißgeschicke. Still zu dulden Ihr Verschulden, Starb sie kühn, wie sie gethan.

Mag der Henker sie beschimpfen, Fast empört ihr Tod die Menge; Aber durch das Volksgedränge Ringet Adam Lux zur Bühne: „Laßt mich sterben, ihr zur Sühne! Mehr als Brutus that die Jungrau! Eine Säule sollt ihr bauen Zum Gedächtniß ihres Muthes, Satt dann sein unschuld’gen Blutes!“ Doch von Wahnsinn hält befangen Ihn der Richter Bös’ Gelichter; Als er nun beharrt zu sterben, Stillen sie ihm sein Verlangen: Und so starb er, So erwarb er Seiner Träume schönes Land.

Freiheit, Himmelslied der Geister, Kann die Mordlust je dich singen? Kann die Freiheit ohne Liebe Zu der Geister Meister dringen? Nie gelangt die blut’ge Bande Zu des Friedens freiem Lande. Alle kämpfen sie vergebens Um die Königin des Lebens Ohne Lieb’ und Himmelsgüte. Viel’ der schönsten Menschenblüthe, Geistgeboren, Starb veloren. Adam Lux, der Lieb’ Erwachen, Hat, allmächtig in dem Schwachen, Ihren Frieden Dir beschieden, Dich entrafft der Macht der Nacht.