German poem
Der Hirsch-Orden
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Einst, Anno sechszehnhundert zwei Und siebzig, – in den Jahren, Da Fürstenlust und Jägerei Noch traut’re Freunde waren, Schuf ein Piast, gern froh zur Birsch, Den Orden von dem goldnen Hirsch.
Zu einer Jägerlustbarkeit Ließ er ein Eichblatt schlagen Von Gold, – und Jägertapferkeit Ließ er’s zum Zeichen tragen. Dies Eichenblättlein zu empfahn, Ward mancher schöne Schuß gethan.
Geprägt war auf das Eichenblatt Ein goldner Hirsch zum Bilde: Der Jäger führt, was er auch hat, Das Edle stets im Schilde; Und bildet sich nicht viel drauf ein, Auch vieler Hasen Tod zu sein.
Des Eichenblatt’s Rückseite war Ein rothes Herz, – darinnen Ein weißes Kreuz, und stellte dar, Wie’s Wild die Jäger minnen, Willfährig dem Naturgebot, Unschuldig doch an seinem Tod.
Und wer besonnen schoß und traf, Daß Knall und Fall nicht fehlte, Daß schnell das Thier in ew’gen Schlaf Versank und sich nicht quälte, Vor Allen der das Eichenblatt Ruhmwürdig sich erworben hat.
Des Ordens Stifter dann kredenzt Ihm beim gespickten Teller Im Becher, den das Laub bekränzt, Den besten Geist im Keller, Und Jagdgesang und Hörnerschall Ist seines Ruhmes Wiederhall.
Heut fehlet zwar der goldne Hirsch, Des Jägers Brust zu schmücken; Denn goldner Lohn kehrt heut der Birsch Stets mehr und mehr den Rücken; Das Herz doch schmückt des Jägers Brust, Der solchen Ruhm’s sich ist bewußt.
Ihm braucht man den Hirschorden nicht Zum Lohne zu verleihen; Er weiß wohl selbst, versagt’s ihm nicht, D’rein Andre einzuweihen, In stets verjüngter Jägerlust Der Kunst zu schießen sich bewußt.
Ihm winket bei dem Jagdbeschluß Die Lust zum frohen Teller; Ein guter Geist bringt ihm den Gruß Der Geister aus dem Keller; Und Jagdgesang und Hörnerschall Sind seines Ruhmes Wiederhall.