Versos German Johann Karl Wilhelm Geisheim Der kürzeste Tag

German poem

Der kürzeste Tag

by (1784–1847)

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Die längste Nacht ist überwunden, Es steigen nun die hellen Stunden, Ermuntert von der Sonne Lauf, Von Neuem in die Zeit herauf.

Und mit der Hoffnung neuem Streben Regt und beweget sich das Leben Durch des erweckten Lichtes Thor Zur Schöpfungs-Tagefahrt empor.

Das neue Jahr mit Gottes Güte, Mit seines Frühlings Liebesblüthe, Mit seiner Früchte goldnem Glück, tritt heute vor des Wandrers Blick.

Doch, daß er bei dem Licht der Erde Des ew’gen Licht’s bewußt sich werde, Dazu am dritten Tage schon Gebar das Neulicht Gottes Sohn.

Ihm zünden sich in frommen Herzen Der heil’gen Christnacht Liebeskerzen, Die Sterne der Erlösung an, Und Jubelsang steigt himmelan.

Es ruft mit heil’gem Angebinde Der Vater seinem frohen Kinde, Und Kinder wollen, Groß und Klein, Gern seine Kinder Alle sein.

„Des Vaters Himmelreich, es komme!“ So beten Sündige und Fromme. Hofft! – Wenn ihr rein wie Kinder seid, Dann ist des Vaters Reich nicht weit.

Doch wie das Licht allmälig steiget, Und täglich glänzender sich zeiget, So blüh’ euch mit der Sonne Lauf Das Leben täglich schöner auf.