German poem
Der Junker von Eben
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Junker Karl von Eben War ein Springinsfeld, Saß so keck zu Pferde, Wie ein alter Held.
Doch die Schulbank ritt er Auch nicht minder gern; Nach der Schul’ in Schweidnitz Ritt er täglich fern.
Nie noch stört’ ein Unfall Seinen Musenritt, Aber täglich bracht’ er Neue Freunde mit.
Denn an Geist und Leibe Wuchs er hold heran, Und mit Stolz oft blickten Ihn die Ältern an,
Wenn aus Welt und Bibel Er klug redete, Oder wenn sein Pferdchen Er brav tummelte.
So ritt er alltäglich Durch den Schlesiergrund, Und dem Ritter folgte Nur sein Dänenhund,
Und der Ältern Segen, Und des Junkers Muth: Und es ist der Himmel Ja den Kindern gut.
Eines Tag’s ertönte Seine Stunde schon; Denn gewöhnlich kehrte Pünktlich heim der Sohn.
Bei dem Klang’ der Glocke Pocht der Mutter Herz, Und vom Thurm’ zum Grunde Schaut sie niederwärts.
Lugt und blickt erwartend Auf des Kindes Weg; Aber still und öde Schweigt der Felsensteg.
Sein auch harrt der Vater, Der den Pfad hinab, Wo er kommen mußte, Hoffend sich begab.
Doch des Schloßhofs Glocke Tönet wiederum; Eine, – ja, noch eine Stunde gehet um.
Trost noch hat die Hoffnung; Doch es wächst die Qual Mit der Nacht, die drohend Sinket in das Thal.
Jammernd ruft die Mutter In den Wald hinab; Aber nur die Öde Schaurig Antwort gab.
Boten nun auf Boten Eilen in den Grund, Und der Ältern Klage Thut dem Fels sich kund. –
Junker Karl war pünktlich, Fröhlicher als je, Längst schon unterweges Nach der Kynsburg Höh’.
Aber heut hört’ er Von den Rittern viel, Von des Rolands Siegen Und vom Lanzenspiel.
Und ihm war sein Köpfchen Voll vom Alterthum, Und von seinem eignen Künft’gen Heldenruhm.
Wie vor seinem Knappen, Ritt er stolz einher, Als wenn Kriegsgetümmel Vor und um ihn wär’.
Seine Gerte schwang er Wie ein blankes Schwert; Voll von Kampflust spornt er Sein sonst sanftes Pferd,
Das – aus seinem Trotte Plötzlich aufgescheucht, – Scheut, und, seitwärts springend, Aus dem Gleise weicht.
An des Abgrunds Rande Wirft’s den Junker ab, Schleppend an dem Bügel Ihn an’s Felsengrab.
Gräßlicher Zerschmett’rung Unbarmherz’ger Tod – Springt das Roß noch einmal, Dem Verlornen droht.
Springen will’s, da plötzlich Packt der Dänenhund, Reißend in den Zügel, Daß es machtlos stund.
Und so ohn’ Ermüden Hält er’s stundenlang, Bis der Ältern Jammer An den Abgrund drang,
Über welchem hülflos Graus der Junker schwebt, Den sie retten, – zweifelnd, Ob er wohl noch lebt.
Doch die Liebe wendet Alle Mittel an, Bis des theuern Herzens Neuer Schlag begann.
Nun erst that des Staunens Freud’ und Dank sich kund, Ob des Himmels Werkzeug, Den getreuen Hund.
Alle priesen Gott nun, Der so wunderbar Durch des Thieres Klugheit Hilf’ und Retter war.