German poem
Künstlers Heimath
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Künstlers Heimath suchet ihr Meist in weiter Ferne; Setzet sie wohl gar hinauf In das Land der Sterne. Auf dem nackten Helikon Denkt ihr ihn auch gerne. Gleich, als wenn er dort aus Nichts Leben schaffen lerne.
Fein bequem ist diese Art, Künstler hoch zu ehren. Als wenn über diese Welt Sie erhaben wären; Nektar und Ambrosia Nur sei ihr Begehren, Und die Welt sei viel zu arm, Um sie wohl zu nähren.
Dank, daß sie nur Menschen sind, Welche gute Götter Gnädiglich herabgesandt Als des Himmels Retter; Künstlers Heimath baut in Luft Nur der kahle Spötter; Denn es trinkt und schmaust die Kunst Trotz dem dicksten Vetter.
Künstlers Heimath ist darum In jedwedem Keller; Seines Äthers reiner Geist Steigt draus um so heller. Gern auch nimmt er menschlich Platz Am gespickten Teller, Und zum Schwung’ der Fröhlichkeit Springt der letzte Heller.
Doch die Tafel und das Glas Muß die Liebe kränzen. Freundschaft muß den Becher ihm Und die Lust kredenzen; Licht muß fröhlich um ihn her In dem Saale glänzen, Und der Tischgenossen Glück Zum Komet ihn schwänzen.
Seine Heimath, wo er geht, Wo er steht, ist Freude. Die Natur, wenn er sich zeigt, Prangt im Rosenkleide, Die Entzückung, um ihn her Ist sein Hausgeschmeide; Hoch zur Heimath wölbt sich ihm Seines Ruhms Gebäude.