German poem
Der Horatanz
by Johann von Lupul (1836–1922)
Zum sonntaglichen Horareigen, Am blumenreichen Wiesenstrand, Erschallen laut die hellen Geigen, Gespielt von der Zigeuner Hand. Und schön geschmückt mit bunten Bändern, Mit Blumen und Gerdan das Haar, In reichgestickten Festgewändern, Erwartet sehnsuchtsvoll die Schaar Der jungen Mädchen, daß beginne Der heimatliche Horatanz, Bevor des Dorfes Kirchenzinne Erglänzt im goldnen Abendglanz.
Den Tanz eröffnen schmucke Jungen, Mit Liedern, wie sie einst vor Jahren, Die alten Väter auch gesungen, Als sie noch jung und heiter waren. Und aus dem schönen Mädchenkreise Ertönt die Antwort dieser Weise, Daß Mütter glauben zu verjüngen, Und mit den Töchtern weiter singen.
Jetzt winkt mit liebevollen Blicken, Der Erste aus der Tänzer Mitte, Nach alter, hergebrachter Sitte, Dem Liebchen zu. — Du hast von Allen, Am besten auch ihm wolgefallen, Weil er zum Tanze Dich gewählt. Und wie vom Geisterkuß beseelt, Spielt auf im hellen Feuerbrande, Die nächtliche Zigeunerbande, Daß selbst die Greise freundlich nicken, Sich wieder jung und kräftig wähnen,
Mit müdeschweren, trüben Blicken, Zum Tanz die schwachen Füßen dehnen. Und wieder schwächer klingt der Bogen, In leisen, milden Wehmutstönen, Als wenn die klaren Wasserwogen, Wenn das Gewitter fortgezogen, Sich mit einander sanft versöhnen. — Nun wenden ihre gleichen Schritte, Die Tänzer rechts, dann nach der Mitte. Jetzt wieder links im engen Kreise, Daß sich die Reihen bunt verstricken, Und im Gewinde rasch entfalten, Bis die Zigeuner innehalten, Und plötzlich die Musik verstummt.