Versos German Johannes Proelß Zum Jahreswechsel

German poem

Zum Jahreswechsel

by (1853–1911)

Listen in the reader

Zum Jahreswechsel. 1895–1896.

Wenn sonst ein Jahr beschlossen Den flücht’gen Erdenlauf, Enteilt es stumm, verdrossen, Und niemand hält es auf. Man träumt von künft’gem Lenze, Ist erst der Herbst dahin; Die Hoffnung windet Kränze Der neuen Königin.

Doch heute vor dem Scheiden Grüßt traut uns seine Hand, Läßt es noch einmal weiden Den Blick am deutschen Land, Von wo ihm Grüße schallen Voll Preis und Dank – fürwahr, Was bot es nicht uns allen, Dies stolze Jubeljahr!

Du Jubeljahr der Siege, Die unser Volk erstritt, Als es, gezwungen zum Kriege, Durch Schlachtendonner schritt – Du schürtest neu das Feuer, Das Jene heiß durchloht, Die uns das Reich so teuer Erkauft mit ihrem Tod!

Dem Reich nur galt das Ringen, Dem Frieden Kampf und Streit, Das krönte das Vollbringen Mit Siegesherrlichkeit! Drum ließest Du entfalten An Gräbern Festesglanz, Trugst auf dem florumwallten Gelock der Freude Kranz.

Den Kranz, den mit frohlocken, Eh’ Du von hinnen weichst, Beim hellen Klang der Glocken Dem neuen Jahr Du reichst – Dem jungen zukunftsreichen, Das, grüßend froh die Welt, In seiner Hand als Zeichen Segnend den Oelzweig hält.

Ein freudig Gottwillkommen Bringt unser Herz ihm dar, O, mög’ sein Gruß uns frommen – Heil, Friedensjubeljahr! Es lädt sein ros’ger Schimmer Zum Friedensfeste ein – O, möcht’ es uns auch immer Ein Jahr des Friedens sein! Johannes Proelß.