Versos German Johannes Proelß Taubengruß

German poem

Taubengruß

by (1853–1911)

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Nicht nur im nächt’gen Dunkel, Auch tags im Lichtgefunkel Ergreift Venedigs Gäste Der stillen Prachtpaläste Goldheller Märchentraum, Wenn sie die Gondel leise Die weichen Wellengleise An des Kanales Fronten, Den golden übersonnten, Hinträgt zum offnen Meeresraum.

Der Traum belebt die Logen, Draus auf den Zug des Dogen Einst purpurschöne Frauen – O farbenselig Schauen! – Hernieder froh geblickt; Bevölkert die Balkone, Die einst der Schönheit Throne, Als Tizians Modelle, Von goldner Haareswelle Umkost, den Gruß herabgeschickt.

Vom Markusplatz entflogen, Gelockt vom Glanz der Wogen, Umflattern weiße Tauben Die säulenschlanken Lauben Der stolzen Meereswacht … Auch hier der Traum: es winken Die Augen und es blinken Der Schönen Prachtgewänder, Der einst hier Liebespfänder Solch weißer Tauben Gruß gebracht.

Johannes Proelß.