German poem
Die Jobsiade — Zehntes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Wie die Liebschaft weiter gehen und zu einer förmlichen Liebeserklärung kommen thut.
Indessen konnt' es nicht immer so sein und bleiben, Amor mußte das Spiel weiterhin treiben, Und so kam's binnen einem Vierteljahr Zu einer Liebeserklärung baar.
In welcher Form dergleichen Erklärungen geschehen, Kann man in Romanbüchern gleichfalls nachsehen; Denn sie besonders zu beschreiben hier, Verdürbe nur die Zeit und 's Papier.
Daß der Baron am ersten sich erkläret, Sich Esther aber anfangs sehr gewehret, Und alles geschah mit herzbrechendem Weh, Versteht sich von selbst als latus per se.
Den Zeitpunkt, in welchem er's erst gewaget, Und ihr sein Herzensanliegen geklaget, Weiß ich nicht genau, doch mein' ich, es sei Ohngefähr gewesen anfangs Mai.
Denn in diesem wonniglichen Monate Geschehen Liebesanträge früh und spate, Theils an Toiletten, theils in Büschen, theils im Stall, Von jungen Herrn bis zu Kater und Nachtigall.
Esther hörte zwar mit vielem Entzücken Den schönen Baron so zärtlich sich ausdrücken, Und wurde innerlich so tief gerührt, Als hätte sie Mesmer magnetisirt.
Aber sie führte ihm vorab zu Gemüthe, Daß ihr bürgerliches und sein adliges Geblüte Zu einem ernsthaften Liebesverein Sich so wenig fügten, wie Wasser zu Wein.
Und sie gegen jede andre Art der Verbindung Und unerlaubte Leidenschaft und Empfindung, Bei aller sonstigen Seelenharmonie, Hätte eine ewige Antipathie.
Um sich also der Liebe zu entschlagen, Suchte sie allerlei Vernunftgründe vorzutragen, Jedoch mittlerweile sie also sprach, Floß aus ihren Aeuglein ein Thränenbach.
Sie hatte noch allerhand gewöhnliche Ausflüchte, Theils von größerm, theils geringerm Gewichte, Fügte auch manches von der Untreu Und dem Wankelmuthe des männlichen Geschlechts bei.
Er aber versicherte hoch und theuer: Er sei kein Lügner oder Alltagsfreier, Und noch vielweniger wolle er Ueber ihre jungfräuliche Unschuld her.
Schwor gar, daß die Bäume hätten mögen krachen: Bei Cav'lierparol' und derlei zuverlässigen Sachen, Er würde seine heftige Liebe und Sie, So lange er athmete, quittiren nie.
Redete auch von Verzweiflung, Degen und Pistolen, Von Halsbrechen, ja gar von Teufelholen Und andern Dingen, welche rührend schön In Werthers Leiden beschrieben stehn.
Von diesen so fürchterlichen Schwüren Ließ sich Esther endelich rühren; Denn sie dachte, sie möcht' den verliebten Baron Sonst wirklich bringen zur Desparation.