Versos German Lothar Meggendorfer Das lüsterne Wildschwein

German poem

Das lüsterne Wildschwein

by (1845–1925)

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Zu seinem Sohn im Walde spricht Der Holzknecht: „Hansel, fürcht’ dich nicht!

Ich muß zur Arbeit, du bleibst hier, Und siedest die Kartoffeln mir.“

Der Hans läßt sich’s nicht zweimal sagen, Beginnet Holz herbeizutragen,

Und denkt: „Wie ich schon oft getan, Ich schüre jetzt ein Feuer an!“ Doch plötzlich – horch nur! Was ist das? Im nahen Busche raschelt was.

Ein Wildschwein ist’s, hier ist es schon – Der Hansel lauft voll Schreck’ davon.

Indessen Hans zum Vater lauft, Das Wildschwein ganz behaglich sauft,

Bis es dem Ding kommt auf die Spur, Daß es gemeines Wasser nur. Und als der Hans gekommen kaum Auf seinem Weg zum nächsten Baum,

Hat, was dem Wildschwein besser schmeckt, Es die Kartoffeln schon entdeckt.

Wie nun der Hans verschwunden ist, Das Wildschwein immer tiefer frißt

Sich in den hohen Topf hinein, Gefräßig ist ja jedes Schwein. Doch allzulüstern tut nicht gut! Das Wildschwein hat bald einen Hut,

Denn fest steckt im Kartoffeltopf Auf einmal jetzt sein dicker Kopf.

Und wie der Holzknecht mit Geschrei Vom Hans geholt nun kommt herbei,

Enteilt das Wildschwein mit Gebrumm, Und wirft dabei den Kessel um. Doch weil’s nicht seh’n kann auf der Flucht, Rennt es sich an mit solcher Wucht,

Daß es geprellt nach rückwärts fliegt Und bald des Holzknechts Schlag erliegt.

Heim trägt der Holzknecht froh das Schwein, Der Hans den Kessel hinterdrein.

Und von dem Ganzen die Moral: „Zu lüstern schadet jedesmal!“