German poem
Der böse Maler
by Lothar Meggendorfer (1845–1925)
Mit seinem Malzeug in der Hand Der Künstler kommt hinaus aufs Land;
In Berg und Tal, in Wald und Flur Will er studieren die Natur.
Kaum sitzet er an der Stafflei, Da kommt die Jugend schon herbei.
Es lockt die Neugier aus dem Haus Drei kleine Kinderlein heraus. Gescheh’n ist’s um des Malers Ruh’; Die Kinder schau’n genau ihm zu,
Und ganz besonders sie ergötzt, Wenn er aufs Brett die Farben setzt.
Der Wunsch der Kinder liegt nicht fern, Sie malten selber gar zu gern,
Drum steh’n neugierig sie umher, Doch das geniert den Künstler sehr. Lang sinnet er, dann fällt’s ihm ein: Er gibt den lieben Kinderlein,
Was Ruhe ihm verschaffen soll – Ein Büchschen, das mit Farbe voll.
Sofort geht nun das Malen an. Leicht ist das Büchschen aufgetan –
Sie sah’n und merkten’s ja genau, Wie man herausdrückt, rot, gelb, blau. Der Künstler mit Vergnügen sieht, Was mit der Farbe jetzt geschieht,
Wie man mit Sorgfalt und Bedacht Dem Bruder einen Schnurrbart macht.
Nicht lang, der Maler sah’s voraus, Da geht es mit der Farb’ ins Haus.
Natürlich jeder von den Knaben Will ganz für sich die Farbe haben. Indes die Brüder handgemein, Freut sich das liebe Schwesterlein
Wie schön auf Kasten, Stuhl und Wand Sich abdruckt seine kleine Hand.
Doch weh! Was gibt’s für ein Geschrei?! Die strenge Mutter kommt herbei,
Und mit der Rute treibt – o Graus! – Den Kindern sie das Malen aus. Gewaschen werden ganz und gar Die drei sofort mit Haut und Haar,
Geseift, gebürstet und gebrüht Wie schwarze Wäsche – Gott behüt’!
Doch seht, wie wohl das Bad bekommt Und wie die Kur dem Künstler frommt.
Nun kann er malen ganz in Ruh’, Die Kinder schau’n von fern’ nur zu.