Versos German Ludwig Neuffer Nemesis

German poem

Nemesis

by (1769–1839)

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Dein letzter Sprößling, mächtiger Staufen, zog Voll Siegeshoffnung einst aus der Heldenburg, Wo herrschend seine Väter hausten, Freudig und stolz in sein fernes Erbland.

Schon winken ihm die Zinnen der Königsstadt, Schon winkt der Thronsaal. Eil’, o Neapolis! Dein König kommt, mit Lieb’ und Treue Eil’ ihm entgegen, dem Heldenenkel.

Du säumst? Er kommt, ein Jüngling voll hohen Sinns Und kühner Thatkraft! Siehe, dir wird durch ihn Ein Alter, reich an Glanz und Größe, Eine beglücktere Zeit beginnen.

Noch säumst du? Ha, Treubrüchige, hast du ganz Dein falsches Herz dem Gallier zugewandt? O Frevel, und mit Mörderhänden Greifst du den Erben des Throne, und legest

Verruchte Ketten deinem Gebieter an, Und schleppest ihn in schreckliche Kerkernacht, Und durch das blut’ge Beil des Heukers Fällt das geheiligte Haupt. – So endet

Der Stamm der Helden, so wird der Königsmord Vollbracht! – Da faßt Entsetzen die Fürsten all’ Auf ihren Thronen, und die Völker Seh’n das Verbrechen mit Grau’n und Mitleid.

Doch ach, kein Rächer waffnet den Arm für ihn, Kein Opfer sühnt den Staub des Gemordeten; In Ruhe thront der Kronenräuber, Glanz und Gewalt ist der Lohn der Unthat,

Indeß der Geist des Grausamgetödeten, Dieweil er noch die Bahn des Geschickes nicht Vollendet hat, unreif zum Orkus Schwebt, und den stygischen Strand umirret.

Weltalter sind im zögernden Zeitenlauf Dahingefloh’n; Jahrhunderte sind indeß Gekommen und gegangen; lange, Lange verübt ist der blut’ge Frevel,

Bedeckt vom grauen Flor der Vergangenheit; Kein leises Ahnen, daß noch ein Rächertag Erscheine, hob der Menschen Herzen. – Aber die Nemesis wachte. – Nimmer

Vergessen Götter alter Verschuldungen, Und früher, später trifft ihr gerechter Zorn Ein Haupt, das fallen muß zur Sühne Voriger Frevel. Das war verborgen

Dem Trotzer, dem die Waffen Napoleons Die Kron’ erkämpften. Denn da der mächtige Gefallen war, da schufen jenem Spornende Furien blinden Wahnsinn,

Daß, da ihm Land und Zepter verbürget war, Er selbst die Völker reizte durch Missethat, Und nicht von Trug und Schanden abließ, Bis er es büßte mit seinem Blute.

Da sank sein Haupt, ein Opfer verjährter Schuld; Ein zweiter Throndieb, wieder ein Gallier, War vom Geschick bestimmt, der Vorzeit Gräuel zu sühnen mit spätem Tode.

Nun erst erlöst vom Ufer der strengen Styx Nach langer Zeit, unglücklicher Konradin, War dir’s vergönnt, zu deinen Vätern Hin nach Elysiums Au’n zu schweben. Neuffer.