German poem
Dithyrambus der Welten
by Otokar Březina (1868–1929)
Strahlendes Werden und Erlöschen Millionen von Sonnen In die Nacht der Ewigkeit splittert In langen, schnellen Blitzen, Wie Aufspiegeln des Lichtes Auf der Klinge des Messers des Pfropfenden Bei jeder fieberhaften Bewegung der Hand Des Meisters.
Welten, folgend einander im Geheimnis der Zeiten! Gigantische Lenze der ewigen Tropen! Teppiche mystischer Stufen! Pulsschläge des Blutes, verjüngende! Stets aufs neue zurückkehrende, Stets geistiger tosende Stürme der Leidenschaften!
Beflügelte Samenkörner, durchfliegend Jahrtausende, Keimend auch inmitten des Feuers! Wonne der halbgeschlossenen Hand des Säenden! Sprühen glühender Körner über Schluchten des Kosmos! Milchstraßen!
Himmelsgewölbe unzähliger Erden, Leuchtend wie Vergißmeinnichte des Lenzes Auf Ufern des extatischen Flusses, Der fliegt in die offenen Arme Deines Meeres. Sprudelnd Wirbeln aus arktischen Höhen, Zersplitterte Eise entführend, Krystallene Flotten Toter Welten! Golfische Ströme der Liebe!
Heilige Ernten des Wortes! Aus der Quelle jeglichen Kornes Ströme von Ähren. An jeder Stelle, wo ’s hinfiel, Auch an verborgenster, Tausend Juni im Feuer!
Geistige Welten! Segelnde Gärten, vögeldurchjauchzt, Welten des Träumens! Glühende Rosen versprühend Protuberanzen Schöpferischer Sonnen! Welten entzündend, Welten verlöschend Der Gerechtigkeit Wirbel.
Und alle Sonnen, Kreisend um die ewige Sonne, Die unsichtbare, Um das strahlende, wartende Grab, Das verbirgt das Geheimnis Des neuen Kosmos, Das schweigsame.
Auf Lippen, die beben vor Liebe Wie im duftigen Winde, Dem starken, belebenden, Über die Meere Tönt euer Lied, o Herrin, Den Neugeborenen.
Wiegenlied von Millionen Das ganze Weltall erschütternd, In dessen rhythmischen Takte Schaukeln schmerzvolle Erden, Wiegen der Geister.