German poem
An den frischen Gräbern
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Die alten Gräber ruhen Verborgen unterm Laub; Vieljährige Tannen düstern Über dem alten Staub.
Kaum weht um diese Stätten Wohl noch ein Klageton, Wo das Vergessen schweigend Sitzt auf ewigem Thron.
Im kalten Winterwehen Hebt dorthin sich mein Fuß, Wo noch um die Kreuze flattert Ein junger Blumengruß.
Die frische Gräberstätte! Ein weites, kahles Feld! Ein irrender Strahl der Sonne Den gelben Sand erhellt.
Hier haucht die Luft noch Jammer, Hier schleicht noch verlassene Not, Und alles ist blutendes Wehe Und alles ist herber Tod.
Ein reiches Blumenprangen Verschüttet schier den Pfad; Da liegen volle Rosen, Die schon ein Fuß zertrat.
Wie hatt' ich ganz vergessen Das Sterben, das Vergehn Und Lachen nur und Leben In liebenden Augen gesehn—
In schmeichelnden Sommerlüften, Wenn golden die Sonne loht, In heulenden Winterstürmen: Wie üppig blühst du, Tod!