German poem
An der Wiege
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Wundersames Lächeln Träumend unbewußt Eines zarten Kindes An der Mutterbrust!
Sei dafür mit Tränen Still ans Herz gedrückt, Engel, der seit Monden Stammelnd uns beglückt!
Nur gedämpfter Schimmer Dir ins Auge fällt: Hinter Ahnungsschleiern Dämmert dir die Welt,
Und dem Ohr vorüber Zieht verwehter Klang, Der vom Weltgebrause Fern herüberdrang.
Sieh, und doch schon lächelt Hold dein Angesicht, Schon durchströmt die Seele Ein geheimes Licht.—
Laß uns nicht verzagen, Wenn das Leid uns drängt, Wenn der Schmerz umklammernd Uns die Brust beengt!
Denn durch diese Tale Wandeln wir im Traum: Was uns wirr umflutet, Wir verstehn es kaum;
Doch auf anderm Sterne Werden wir's versteh'n, Wenn dies Kind noch irrend Wird auf Erden gehn.
Wie des Kindes Auge Schon der Zukunft lacht, Ob es auch aus tiefen Nächten kaum erwacht,
So in dankerfüllter, Ahnungsvoller Ruh Lächle unser Antlitz Jenen Fernen zu.